Weitere Niederlage für Kerzers: Kerzers I _ Avenches I 3-4

Nach einer 3:4-Heimniederlage gegen Aufsteiger Avenches muss man bei Kerzers von einem verpatzten 2.-Liga-Saisonstart reden. Illirjan Mehmetaj erzielte gegen die defensiv schwachen Seeländer vier Tore.

Nicht wenige Kenner der Freiburger 2.-Liga-Szene zählten den FC Kerzers Anfang Saison zu den Titelfavoriten. Gut zwei Wochen später liegt das Team von Coach Marc Flühmann mit einem einzigen Zähler noch im Tabellenkeller. Worin die Hauptgründe für die bisher enttäuschenden Resultate sind, zeigte gestern das zweite Heimspiel der Saison gegen den Aufsteiger Avenches. Wer einem Neuling fast ein Dutzend Torchancen in 90 Minuten zugesteht, muss sich am Schluss nicht wundern, wenn es keine Punkte gibt. Und Ironie der Geschichte: Der beste Kerzerser nebst den zweifachen Torschützen und Captain Marc Kaltenrieder war Goalie Matti Kruuse, der noch mindestens drei Hundertprozentige der Welschen zunichtemachte. Wenn es nicht läuft, kommen meistens auch noch dumme Aktionen dazu – den Ausschluss des übermotivierten Luca Comba nach einem Foul im Mittelfeld hätte sich der Verlierer durchaus ersparen können. Insgesamt und aufgrund der Torchancen war Avenches’ Sieg am Schluss mehr als verdient. Wenn die Mannschaft von «Mimi» Villommet ihr «Torhüterproblem» noch lösen kann, wird man mit diesem technisch beschlagenen Team in Zukunft rechnen müssen.

Vier Tore in einem Spiel

Am letzten Samstag wurde der SBB-Lehrling Illirjan Mehmetaj 20-jährig, gestern Abend entschied der schnelle und gefährliche Stürmer die Partie auf dem Erli ganz alleine. Platzspeaker Guido Wildhaber gab zwar am Mikrofon das dritte Tor einem anderen Gästespieler, in der Tat markierte die Nummer 10 jedoch alle vier Treffer der Broyebezirkler, die ja auch die Aufstiegsspiele im Sommer ziemlich dominiert hatten. Allzu schwer machte es ihm allerdings die löchrige Kerzers-Abwehr nicht, die jetzt schon mehr als ein halbes Dutzend Tore einkassiert hat und ihrer Normalform weit hinterherläuft. Marc Kaltenrieder konnte mit zwei Kopfballtoren die defensiven Schnitzer seiner Abwehr zum Teil etwas korrigieren, zum möglichen Unentschieden reichte es trotzdem nicht. Und dies, obwohl man zu zehnt sogar 3:2 in Führung gehen konnte, dann aber wie in der ersten Halbzeit hinten wieder ins alte Fahrwasser ­zurückfiel.

Alle Kerzers-Tore durch Kopfbälle

Will man den Welschen einen Vorwurf machen, dann ist es sicher ihre Schwäche bei stehenden Bällen, die der FC Kerzers nutzte, um seine drei Tore unterzubringen. Keeper Kabuemi Lutanadio blieb jeweils auf der Linie wie angewurzelt stehen, und die klein gewachsenen Verteidiger brachten den Ball nicht weg. Anders die Gäste, die ihre vier Tore mehr oder weniger mit schnellen Zuspielen in die Spitze erzielten – meistens konnten die Stürmer fast alleine aufs Tor losziehen.

Der Heimclub brachte es über die gesamte Spielzeit nicht fertig, die Angriffsmaschinerie der Welschen in den Griff zu bekommen; hier wartet auf Trainer Flühmann in den nächsten Tagen die grösste Arbeit. Fürs Erste müssen die Seeländer einen Platz in der Spitzengruppe vergessen; weder vorne – trotz dem späten Comeback des bislang verletzten Yves Schlapbach – noch hinten stimmt es beim ambitionierten FCK im Moment. Sportchef Wildhaber liess sich nach der Partie jedenfalls zur Aussage «Scheissspiel» ­hinreissen.

Auf der Gegenseite feierte Avenches nach dem Schlusspfiff des Schiedsrichters zu Recht den ersten Meisterschaftssieg. Wenn die junge und talentierte Mannschaft so weitermacht, wird es in den kommenden Wochen noch zu mehr solchen Erfolgen kommen. Allein dieser Match hat aufgezeigt, dass die Liga auch in dieser Saison ziemlich ausgeglichen ist und man für Siege konstante und gute Leistungen braucht. Und solche liefern die «Roten» im Moment leider nicht ab.

Telegramm

Kerzers – Avenches 3:4 (1:2)

Erli. – 70 Zuschauer. – SR: K. Auderset. Tore: 26. Tanner 1:0. 30. Mehmetaj 1:1. 37. Mehmetaj 1:2. 53. M. Kaltenrieder 2:2. 65. M. Kaltenrieder 3:2. 76. Mehmetaj 3:3. 79. Mehmetaj 4:3.

FC Kerzers: Kuuse; Spycher, V. Kaltenrieder, M. Kaltenrieder, Moser; Forster (46. Gonçalves), Weber (67. Menchini) , Hubacher, Comba; Zesiger; Tanner (67. Schlapbach).

FC Avenches: Lutadonadio; Monney, Bigler, Corthésy (61. Lewandrowski), M. Bajrami; Salime (84. R. Bajrami), Furtado (61. Villommet), Osmanaj, Kastrati; Mehmetaj; Cucinotta.

Bemerkungen: Pfostenschuss: 8. Spycher. Gelb-Rot: 55. Comba (überhartes Einsteigen).

Der Kerzerser Kevin Hubacher (l.) behauptet sich im Zweikampf.