MATTI KUUSE HÄLT NUN BEIM FC KERZENS IN DER SCHWEIZ

Den früheren Torwart des VfB Fichte zog es aus beruflichen Gründen in die Alpen. Dort hat er mit dem FC Kerzers im Kanton Fribourg auch schon eine neue sportliche Heimat gefunden

 

Matti Kuuse (24), aufstrebender Torhüter und von Beruf Zimmermann, hat es in die Schweiz verschlagen. Der gebürtige Bielefelder hat seine Familie und Freunde zurückgelassen und startet im Kanton Fribourg nun durch. Und auch einen neuen Fußballverein hat er bereits gefunden. Beim FC Kerzers in der 2. Liga steht der Ex-Keeper des VfB Fichte nun zwischen den Pfosten.

 

 

Nachdem Kuuse seine Ausbildung zum Zimmermann beendet hatte, bekam er einen Anschlussvertrag in der Firma, doch irgendwann war die Auftragslage nicht mehr gut, so dass er seinen Job verlor. Ordnungsgemäß meldete er sich beim Arbeitsamt. „Irgendwann bekam ich einen Anruf von einer Schweizer Nummer“, erzählt er. Dahinter versteckte sich ein Jobangebot. „Das hörte sich total spannend an, und so kam ich ins Überlegen“, sagt der 24-jährige, der es sich nicht leicht machte, sich aber letztlich entschloss, diesen Schritt zu gehen. „Ich hätte von mir selbst nie gedacht, dass ich das wirklich einmal mache: weg von zu Hause“, gibt Kuuse einen Einblick in seine Gefühlswelt.

»Der VfB Fichte war immer einStück Heimat«

Jahrelang hat Matti Kuuse das Tor des VfB Fichte gehütet, zuletzt in der Abstiegssaison 2015/2016, als er allerdings erst in den letzten Spielen unter dem damaligen Interimstrainer Christopher Gliniars zur Nummer eins wurde. Dennoch verbindet ihn viel mit dem Verein. „Das war immer ein Stück Heimat, auch wenn nicht alles gut gelaufen ist“, sagt der Keeper. Der Fußball war es auch, der Kuuse ins Grübeln brachte, ob er wirklich in die Schweiz gehen solle. „Fußball ist mein Leben“, lacht er. „Und dann allein in ein fremdes Land, wo man niemanden kennt, oder vielleicht doch besser zu Hause und weiter mit den Kumpels zocken“, beschreibt er seine Gedanken.

Im Juli letzten Jahres war es aber soweit. Die Abreise nahte. „Die erste Tasche, die ich gepackt habe, war die mit meinen Fußballsachen“, so Kuuse, der sich gut 750 Kilometer nach Süden in das kleine Dorf Ulmiz im Kanton Fribourg aufmachte. Der Arbeitgeber hatte ihm dort ein Zimmer organisiert.

„Hier ist auf jeden Fall verdammt viel Gegend“, lautete eine der ersten WhatsApp-Nachrichten, die Kuuse verschickte. Nach den ersten Tagen der Eingewöhnung hat er sich dann ins Auto gesetzt und die Gegend erkundet. „Und dann stand da ein Schild Sportplatz. Da bin ich einfach mal hingefahren“, erzählt er. Er hatte Glück, denn am Sportgelände traf er auf Marc Flühmann, den Trainer des FC Kerzers.

Diesem schilderte Kuuse seinen „Fußballentzug“ und fragte, ob er mal mittrainieren könne. „Als ich ihm sagte, ich sei Torwart, wäre er mir fast um den Hals gefallen“, lacht er. Denn der eigentliche Schnapper des FC Kerzers hatte sich verletzt, und man war auf der Suche nach einem Ersatz. „Das war eine echt glückliche Fügung“, so Kuuse, der schnell seine erste Trainingseinheit absolvierte und seitdem den Kasten des FC hütet. Erfolgreich! „Derzeit sind wir Dritter, aber mit einem Spiel weniger“, sagt Kuuse, der vom ersten Tag an toll aufgenommen worden ist. „Das sind wirklich super Leute hier. Insgesamt ist es ein sehr familiärer Verein, bei dem es keine Grüppchenbildungen gibt, wie sie in Deutschland oft vorkommen“, gerät er nahezu ins Schwärmen. Und das alles ganz ohne Geld: „Bei uns verdient keiner etwas.“

Mittlerweile wohnt Matti Kuuse in einer Wohngemeinschaft in Ried bei Kerzers mit drei anderen Spielern aus seiner Mannschaft. „Da sind echte Freundschaften entstanden“, erzählt er. Im März, kurz vor dem Rückrundenstart, geht es für Kuuse und seine Teamkollegen sogar nach Alicante: Fünf Tage Trainingslager mit zwei Mal Training pro Tag stehen ihm dann bevor. „So was hab ich in Bielefeld in keinem Verein erlebt“, denkt er zurück.

Sportlich läuft es bei dem Blondschopf. Auch höherklassige Vereine sind bereits auf ihn aufmerksam geworden. „Das sind Klubs, die – verglichen mit Deutschland – in der Oberliga oder höher spielen“, erzählt Kuuse, der sich aber voll auf die Rückrunde mit seinem FC Kerzers konzentrieren möchte. Auch beruflich kann er sich nicht beklagen. „Man verdient in der Schweiz gutes Geld und kann mal spontan in den Urlaub fahren, das ist schon toll“, berichtet er. Dennoch ist und bleibt Bielefeld sein Zuhause, in das er irgendwann zurückkehren wird. „Wann das ist, das weiß ich aber noch nicht“, lacht Kuuse.